Der Worte sind genug gewechselt… Weinbauverbände Rheinhessen und Pfalz fordern deutliches Signal für die Weinbaubetriebe

Bei der Nachherbstkonferenz der rheinland-pfälzischen Weinwirtschaft appellierten die Präsidenten der Weinbauverbände Rheinhessen und Pfalz, Jens Göhring und Reinhold Hörner, an Weinbauministerin Daniela Schmitt, sich für eine schnelle Umsetzung des EU-Weinpaketes einzusetzen. Die im Rahmen des Trilogs getroffene Einigung zwischen Europäischem Parlament und Ministerrat habe teilweise Potential Antworten auf die aktuellen Herausforderungen der Branche zu geben, ist aber bei weitem nicht ausreichend. Die jetzt enthaltenen Maßnahmen sind zügig auf den Weg zu bringen, um noch rechtzeitig Wirkung zu entfalten. Als Weinbauland Nummer 1 müsse Rheinland-Pfalz hier vorangehen und dabei auch den Bund in die Pflicht nehmen.

Mit Blick auf die Möglichkeiten, die das EU-Weinpaket hinsichtlich Destillation, Grüne Lese und Rodung bietet, darf es aus Sicht von Göhring und Hörner keine Denkverbote geben. Die Betriebe brauchen jetzt kurzfristig ein deutliches Signal, wie sie unterstützt werden: „Die Zeit der Ankündigungen muss auf allen Ebenen vorbei sein. Die Winzerinnen und Winzer brauchen jetzt eine klare Perspektive für ihre Zukunft.“

Die beiden Weinbauverbände hatten schon frühzeitig eine Vielzahl der jetzt beschlossenen Instrumente immer wieder gefordert. Zwei zentrale Anliegen bleiben nach jetzigem Stand aber unberücksichtigt: Auch in Zukunft soll es keine Möglichkeit der Übertragbarkeit von nicht genutzten EU-Fördermitteln auf folgende Jahre geben und der europaweite vollständige Anbaustopp wurde ebenfalls nicht beschlossen. Aus Sicht der beiden Präsidenten ist dies mehr als eine vertane Chance und wird der derzeitigen Situation nicht gerecht.

Einigkeit unter den Teilnehmern des Austausches bestand hinsichtlich der Stärkung des deutschen Weinabsatzes durch den Ausbau von Werbemaßnahmen und gezielter Außenwirtschaftsförderung. Der Ansatz einer gemeinsamen Aktion von Deutschem Weininstitut, den großen Gebietsweinwerbungen in Rheinland-Pfalz und dem Weinbauministerium im Land ist ein guter Ansatz und wird ausdrücklich begrüßt. Zusätzliches Geld, dass seitens des Bundes oder des Landes in diesem Bereich zur Verfügung gestellt wird, müsse aber unbürokratisch und schnell eingesetzt werden können. Die Weinbauverbände Pfalz und Rheinhessen wiesen in diesem Zusammenhang auf die wichtige Aufgabe der Schutzgemeinschaften hinsichtlich Profilierung der Anbaugebiete und Herkünfte, als Grundlage für erfolgreiches Marketing hin. Eine gesicherte Finanzierung dieser Organisationen sei dafür absolut notwendig.

Zukunftsfähige Landwirtschaft braucht eine starke GAP Bauernverband übergibt 10-Punkte-Katalog an Länder

(DBV) Anlässlich der Sonder-Agrarministerkonferenz der Länder in Brüssel hat der Deutsche Bauernverband (DBV) gemeinsam mit den Landesbauernverbänden ein Positionspapier mit zentralen Forderungen zur Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) und des zukünftigen EU-Haushalts übergeben. Die Übergabe erfolgte im Rahmen der Veranstaltung „Traditionelles und Innovatives aus den Staatsweingütern Baden-Württemberg“ an die Ländervertreter. Die Delegation wurde angeführt vom Vorsitzenden des DBV-Fachausschusses Agrarpolitik, Präsident Karsten Trunk aus Mecklenburg-Vorpommern: „Die Vorschläge der EU-Kommission gefährden die europäische Ausrichtung der GAP und damit die Zukunft unserer Landwirtschaft. Wir brauchen eine starke, gemeinsame Agrarpolitik – mit klaren Zuständigkeiten, praxistauglichen Instrumenten und einem inflationsfesten Budget,“ betonte Trunk. „Die Landwirte erwarten von Bund und Ländern, dass sie sich in Brüssel für eine zukunftsfähige GAP einsetzen und Strukturbrüche verhindern.“

Das Positionspapier enthält einen 10-Punkte-Katalog mit Kernforderungen für die GAP ab 2028:

Budget und MFR-Architektur:
Mindestens 500 Mrd. € für die GAP statt der geplanten 294 Mrd. €, Erhalt der Zwei-Säulen-Struktur, eigenständiges Budget für die 2. Säule (Ländliche Entwicklung) von 100 Mrd. €, klare Zuständigkeiten ohne Fragmentierung.

Wettbewerbsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit:
Einkommenswirksame GAP-Maßnahmen, keine verpflichtende Degression oder Kappung, Fortführung der Umverteilungsprämie, faire Wettbewerbsbedingungen ohne ideologische Verzerrungen, Investitionen und Risikomanagement stärken.

Vereinfachung und Bürokratieabbau:
Abbau von Konditionalitäten, Streichung der sozialen Konditionalität, Ablehnung des DNSH-Prinzips, vereinfachte Definition „Aktiver Landwirt“.

„Die GAP muss Einkommen sichern, Wettbewerbsfähigkeit stärken und den Beitrag der Landwirtschaft zu Klima- und Umweltzielen attraktiv und ausgewogen honorieren,“ so Trunk weiter. „Wir fordern eine Politik, die nicht auf Misstrauen und Bürokratie setzt, sondern auf Vertrauen, Planungssicherheit und unternehmerische Freiheit.“

Es liegt nun an den Bundesländern, der Bundesregierung und den deutschen Europaabgeordneten als Korrektiv gegenüber den Kommissionsvorschlägen zu wirken, um die Landwirtschaft und die ländlichen Räume resilienter, wettbewerbsfähiger und stärker zu machen.

Das vollständige Positionspapier steht hier zum Download bereit.

Hintergrund:
Der DBV-Fachausschuss Agrarpolitik (vormals „AG Goslar“) entwickelt seit vielen Jahren wegweisende Positionen des Berufsstandes zur Weiterentwicklung der EU-Agrarförderung. Nach den Vorschlägen der EU-Kommission zum EU-Haushalt und zur GAP ab 2028 vom Juli 2025 intensivieren sich aktuell die Verhandlungen zwischen Kommission, Parlament und Rat. Der DBV appelliert an die Bundesregierung und die Länder, sich in Brüssel nachhaltig für die Anliegen der deutschen Landwirte und der ländlichen Räume einzusetzen.

Dialogprozess Schulterschluss Artenvielfalt erfolgreich abgeschlossen Starke Landwirtschaft und starker Umweltschutz gehen Hand in Hand

(MKUEM/MWVLW) Der im April 2023 auf Initiative der Naturschutz- und Landwirtschaftsverbände gestartete Dialogprozess „Schulterschluss Artenvielfalt Rheinland-Pfalz“ ist erfolgreich abgeschlossen. Umweltministerin Katrin Eder und Landwirtschaftsministerin Daniela Schmitt haben gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Landwirtschaft und Umweltschutz eine entsprechende Vereinbarung unterzeichnet. Eine starke Landwirtschaft und ein starker Naturschutz gehen dabei Hand in Hand. Dazu gehört insbesondere der Aufbau regionaler Kooperationsnetzwerke, die konkrete Maßnahmen erarbeiten und umsetzen.

Landwirtschaftsministerin Schmitt und Umweltministerin Eder zeigten sich erfreut über das Ergebnis: „Der Prozess hat gezeigt, dass Naturschutz und Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz an einem Strang ziehen. Mit dem Schulterschluss ist es gelungen, tragfähige Lösungen zu finden, die die Biodiversität sichern und zugleich die Wettbewerbsfähigkeit unserer landwirtschaftlichen Betriebe stärken“, erklärten die beiden Ministerinnen.

Im Mittelpunkt des Dialogprozesses stand die Entwicklung praxisnaher Strategien für den Erhalt der Artenvielfalt sowie die Stärkung einer zukunftsfesten Agrarwirtschaft. In zahlreichen Arbeitstreffen der Arbeitsgruppen wurden Themen wie beispielsweise Bildung und Beratung, landwirtschaftliche Produktion, Naturschutzmaßnahmen, Grünlandschutz oder etwa Wasser intensiv bearbeitet. Die daraus resultierenden Empfehlungen werden nun schrittweise umgesetzt.

Ein zentrales Ergebnis ist die Einrichtung eines dauerhaften Kooperationsforums (Forum Schulterschluss Artenvielfalt), das den Austausch zwischen Landwirtschaft und Naturschutz auf Augenhöhe fortführen und die Umsetzung der Maßnahmen begleiten soll.

„Solche Kooperationen sind ein Gewinn für beide Seiten. Sie schaffen eine Grundlage für Vertrauen und Zusammenarbeit. Gerade in Zeiten, in denen wir ein großes Artensterben beklagen, schaffen wir hier wertvolle Lebensräume für viele Tiere und Pflanzen. Stabile Ökosysteme bedeuten gesündere Böden, bessere Bestäubung und damit langfristig den Erhalt wichtiger Natur- und Kulturlandschaften“, betonte Umweltministerin Katrin Eder.

Landwirtschaftsministerin Daniela Schmitt ergänzte: „Ich begrüße die Kooperation ausdrücklich. Sie ist ein wichtiger Schritt, um eine zukunftsfeste, ökonomisch tragfähige Landwirtschaft sowie den Erhalt der Artenvielfalt weiter zu stärken – denn beides geht Hand in Hand. So bedeutet beispielsweise eine digital und präzise gesteuerte, bedarfsorientierte Ausbringung von Produktionsmitteln mit ressourcenschonender Applikationstechnik zum einen mehr Effizienz für den Landwirt sowie gleichzeitig einen höheren Umwelt- und Artenschutz. Auch an solchen Lösungen wird das neue Kooperationsforum weiter arbeiten und dabei auch die Vereinfachung von Verfahrensabläufen im Sinne einer Entbürokratisierung für Landwirte sowie die Verwaltung im Blick haben.“

„Der zunehmende Verlust der biologischen Vielfalt ist besorgniserregend und erfordert entschiedenes Handeln, auch hier bei uns. Um die Artenvielfalt unserer Kulturlandschaften zu fördern und gleichzeitig landwirtschaftliche Betriebe einzubinden und ökonomisch abzusichern, braucht es aber eine starke Allianz. Nun haben wir gemeinsam die Chance zu zeigen, dass man mit Kooperation in der Fläche mehr erreichen kann, als mit Konfrontation und welche Wirkung der Schulterschluss Artenvielfalt für Mensch und Natur in Zukunft entfalten kann“, fasste Cosima Lindemann, Vorsitzende des NABU Landesverbandes Rheinland-Pfalz e. V. die Herausforderungen für die Zukunft zusammen.

Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Pfalz Süd e. V. stimmte zu und ergänzte: „Der Schulterschluss Artenvielfalt ist kein Kompromiss, sondern Konsens, der den kooperativen Ansatz als einzig zielführenden Weg zur Förderung des Zusammenwirkens von Landwirtschaft mit Natur- und Umweltschutz anerkennt. Jetzt braucht es finanziell attraktive Maßnahmen, bei denen sich eine Teilnahme für die Landwirte und Winzer nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch lohnt. Eine halbherzige Umsetzung, die zu mangelnder Beteiligung führt, um dann doch ordnungsrechtlich, statt freiwillig und anreizbezogen vorzugehen, darf es nicht geben.“

Sein Kollege Marco Weber, Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau e. V., pflichtete ihm bei: „Landwirtschaft und Weinbau geben einen Vertrauensvorschuss, in der Hoffnung auf eine positive Entwicklung zwischen allen Akteuren. Wir werden genau beobachten und die Ergebnisse evaluieren. Die Bereitschaft am Schulterschluss Artenvielfalt aktiver Teil zu sein, ist natürlich auch daran gekoppelt, dass das Land Rheinland-Pfalz finanziell alle Möglichkeiten zur Verfügung stellt: Denn letztlich sind die Bauern und Winzer diejenigen, die in Vorleistung treten und ihre Arbeit auch angemessen honoriert bekommen müssen.“

Diesen Punkt unterstützte auch Sabine Yacoub, Vorsitzende des BUND Landesverbandes Rheinland-Pfalz e. V.: „Der Schutz der biologischen Vielfalt in unserer Kulturlandschaft gelingt nur mit Bewirtschaftung. Naturschutz kann hier nur gemeinsam mit Bäuerinnen und Bauern gelingen. Deshalb sind der Dialog und die enge Zusammenarbeit mit der Landwirtschaft für den Naturschutz so entscheidend. Klar ist auch: Naturschutz in der Agrarlandschaft wird nur dann dauerhaft erfolgreich sein, wenn Leistungen für die Artenvielfalt fair honoriert werden und sich gut in den Betriebsalltag der Landwirtinnen und Landwirte integrieren lassen. Mit dem Schulterschluss Artenvielfalt haben wir Strukturen und Maßnahmen entwickelt, die genau das ermöglichen sollen.“

Dass dies funktionieren kann, unterstrich Regino Esch, Vorsitzender der Arbeitsgruppe Ökologischer Landbau Rheinland-Pfalz / Saarland e. V.: „Landwirtschaft und Naturschutz müssen kein Gegensatz sein – im Gegenteil, sie können sich sinnvoll ergänzen. Der Ökolandbau macht dies seit vielen Jahren vor. Er verbindet Ernährungssicherung mit produktionsintegrierten Leistungen für die Biodiversität und zeigt auf seinen Flächen ganz konkret, wie Artenvielfalt und Bewirtschaftung zusammengehen können. Diese Stärken möchten wir weiter ausbauen und in die Breite tragen.“

„Mit dem Ziel, über freiwillige Kooperationsmaßnahmen die Wirksamkeit von Umweltmaßnahmen zu erhöhen und die angemessene Entlohnung der Landwirte zu sichern, sind wir auf einem richtigen Weg“, ist sich Michael Horper, Präsident der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz sicher und richtete den Fokus noch auf weitere Aspekte: „Als Präsident der Landwirtschaftskammer ist mir dabei die Weiterentwicklung einer effizienten Beratung und Betreuung der wirtschaftenden Betriebe besonders wichtig. Dies muss einhergehen mit einem Abbau bürokratischer Hemmnisse.“

Peter Keller, Vertreter des Beirats für Naturschutz beim MKUEM und Mitglied der Gesellschaft für Naturschutz und Ornithologie Rheinland-Pfalz e.V. (GNOR) fasste die Erfolge des Prozesses zusammen: „Beim Dialogprozess Artenvielfalt haben wir über drei Jahre auf Augenhöhe miteinander gestritten, kontrovers diskutiert und nach gemeinsamen Lösungen gerungen. In der Lenkungsgruppe, den verschiedenen Arbeitsgruppen und letztlich in den beiden Fach-Foren ging es immer um die Suche nach konstruktiven Lösungen. Das haben wir erreicht.“

„Unser Ziel ist klar: Wir wollen gemeinsam Lösungen entwickeln, die Natur und Landwirtschaft stärken – für zukunftsfähige Höfe, lebendige Kulturlandschaften und eine Gesellschaft, die von beidem profitiert“, waren sich die Vertreterinnen und Vertreter der Verbände und der Ministerien einig.

Mit dem Start der Umsetzungsphase beginnt eine neue Etappe in der Partnerschaft zwischen Landwirtschaft und Naturschutz. Beide Ministerien, aber auch alle beteiligten Verbände werden den Prozess weiter begleiten.

Bereits jetzt fördert das Land im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP), umweltwirksame Maßnahmen mit rund 104 Millionen Euro pro Jahr – in einem Mix aus EU-, Bundes- und Landesmitteln. Parallel dazu werden derzeit im Zuge des Etablierungsprozesses der Naturschutzstationen Rheinland-Pfalz Mittel in Höhe von rund 600.000 Euro pro Jahr bereitgestellt. Zudem wird das Land sich dafür einsetzen, im Rahmen der Weiterentwicklung der GAP ab 2028 weitere Finanzmittel mit Blick auf den Schulterschluss Artenvielfalt Rheinland-Pfalz bereitzustellen.

Die Kooperationsvereinbarung und die Ergebnispapiere der Arbeitsgruppen sind unter folgendem Link abrufbar: https://s.rlp.de/schulterschlussartenvielfalt

© MKUEM

Weinpaket und Zukunft der Gemeinsamen Agrarpolitik im Fokus Agrar- und weinbaupolitischer Dialog in Brüssel

Am 10. November 2025 hatte die Europaabgeordnete Christine Schneider Vertreter des Deutschen Weinbauverbandes, der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, der Bauern- und Winzerverbände Rheinland-Pfalz und der Landjugend nach Brüssel eingeladen, um sich mit ihnen über die derzeit wichtigsten agrar- und weinbaupolitischen Themen auf europäischer Ebene auszutauschen. Im Mittelpunkt des Treffens stand die schwierige Situation des Weinmarktes und das EU-Weinpaket als Reaktion auf den europaweiten Absatzrückgang, der die Weinbaubetriebe hart trifft. Eine finale Einigung hierzu zwischen Kommission, Parlament und Rat sollte im Rahmen des Trilogs möglichst noch in diesem Jahr zustande kommen, um die dringend notwendigen Maßnahmen auf den Weg bringen zu können.

Ein weiterer Schwerpunkt waren die Vorschläge der EU-Kommission zum Mehrjährigen Finanzrahmen und zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) ab 2028, die auch mit Elisabeth Werner, Generaldirektorin der Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung (DG AGRI), diskutiert wurden. Hier bestand Engigkeit darüber, dass eine grundlegende Überarbeitung der Planungen notwendig ist. Der Berufsstand fordert dabei die grundlegende Erhaltung der Zwei-Säulen-Struktur und ein erhöhtes eigenständiges Agrarbudget, das eine spürbare Einkommenswirkung, Planungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit für die Betriebe ermöglicht.

Darüber hinaus stand auch das Thema Pflanzenschutz auf der Agenda. Hierzu erläuterte Klaus Berend, Direktor für Lebensmittelsicherheit, Nachhaltigkeit und Innovation bei der Generaldirektion Sante der EU-Kommission, Sichtweise und Positionen seines Hauses mit Blick auf den Spagat zwischen Sicherung von Nahrung und Natur. Die Vertreter aus Landwirtschaft und Weinbau verdeutlichten noch einmal die Notwendigkeit von Pflanzenschutz als Voraussetzung für eine verlässliche Produktion sicherer Nahrungsmittel. Mit Blick in die Zukunft sei es wichtig, Zulassungsverfahren von Wirkstoffen zu beschleunigen, Innovation zu ermöglichen und Pflanzenschutz auch in Schutzgebieten zuzulassen. Im Hinblick auf neue Schädlinge und Krankheiten, aber auch die Auswirkungen des Klimawandels, braucht es eine zukunftsgerichtete Weiterentwicklung des Pflanzenschutzes und nicht noch mehr Verbote.

Christine Schneider, MdEP mit Klaus Schneider (l.), Präsident des Deutschen Weinbauverbandes e.V., und Ökonomierat Eberhard Hartelt, Präsident des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. (Bild: BWV)

Symbol für Vielfalt und Leistungsfähigkeit der Landwirtschaft Landjugend überreicht Ministerin Daniela Schmitt die Erntekrone

Die rheinland-pfälzische Landwirtschaftsministerin Daniela Schmitt hat von den Landjugendverbänden Rheinland-Pfalz am 27. Oktober 2025 die diesjährige Erntekrone überreicht bekommen. Die traditionelle Übergabe würdigt jedes Jahr die Arbeit und das Engagement der Landwirt*innen und Winzer*innen im Land.

In diesem Jahr wurde die Erntekrone von der Landjugendgruppe Eifel gebunden. Sie vereint die regionalen Erntegüter Getreide, Hopfen und Gerste und steht symbolisch für die Vielfalt und Leistungsfähigkeit der heimischen Landwirtschaft.

Im Anschluss an die Übergabe tauschten sich die Vertreter*innen der Landjugend mit der Ministerin zu aktuellen agrarpolitischen Themen aus. Dabei standen unter anderem die gemeinsame Agrarpolitik der EU und die Forderung nach mehr Planungssicherheit für Junglandwirt*innen im Mittelpunkt. Auch die Ausbildung in den Grünen Berufen wurde intensiv diskutiert – insbesondere der Rückgang der Ausbildungszahlen sowie der Lehrkräftemangel an den Berufsschulen.

Weitere Themen waren der Mindestlohn und die aktuelle Weinabsatzkrise. Ministerin Schmitt appellierte an die Jungwinzer*innen, den Fokus verstärkt auf Qualität, Vertrieb und Marketing zu legen, um neue Perspektiven zu schaffen und sich langfristig zukunftssicher aufzustellen.

Ein besonderes Augenmerk galt zudem der Rolle von Frauen in der Landwirtschaft. Ministerin Schmitt ermutigte die Teilnehmer*innen, sichtbar zu sein, Verantwortung zu übernehmen und ihre Ziele entschlossen zu verfolgen.

Zum Abschluss der Veranstaltung hob die Ministerin die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements in der Verbandsarbeit hervor. Sie betonte, wie wichtig es sei, dass sich insbesondere junge Menschen – und gerade junge Frauen – weiterhin aktiv in die landwirtschaftliche Interessenvertretung einbringen.

Die Vertreter*innen der Landjugendverbände RheinhessenPfalz und Rheinland-Nassau gemeinsam mit Daniela Schmitt (5.v.l.).

Text und Bild: Landjugend RheinhessenPfalz

Hartelt: Es braucht den Willen zu gestalten Bauern und Winzer im südlichen Rheinland-Pfalz mit Forderungen an die zukünftige Landesregierung

Die rheinland-pfälzische Landesregierung muss ihre Gestaltungsmöglichkeiten nutzen, um Rahmenbedingungen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft zu schaffen. Das ist die zentrale Forderung der Landwirte und Winzer aus Rheinhessen und der Pfalz mit Blick auf die Landtagswahlen im kommenden Jahr. Bei der Delegiertentagung des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV) am 29. Oktober 2025 verabschiedeten sie eine Resolution mit ihren Anliegen.

Durch die in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegenen Produktionskosten ist die Wettbewerbsfähigkeit der Betriebe im Land massiv gesunken. Die derzeitige Phase mit niedrigen Erzeugerpreisen verschärft die Situation erheblich. Daher braucht es dringend Entlastungen: ein umfangreicher Bürokratieabbau, keine zusätzliche Verschärfung von Bundes- und EU-Recht, steuerliche Erleichterungen, mehr Eigenverantwortung statt mehr Kontrollen, schnelle und einfache Planungs-, Genehmigungs- und Förderverfahren.

Auch wenn große Richtungsentscheidungen in der Agrarpolitik in Brüssel und Berlin getroffen werden, kann Rheinland-Pfalz zielführende Maßnahmen umsetzen oder sich über den Bundesrat für entsprechendes Handeln auf Bundes- und europäischer Ebene einsetzen. BWV-Präsident Ökonomierat Eberhard Hartelt betonte gegenüber dem anwesenden rheinland-pfälzischen Ministerpräsident Alexander Schweitzer, dass es aber nicht nur die Möglichkeit zum Gestalten braucht, sondern auch den Willen. Außerdem müssen junge Menschen ermutigen werden in die Grünen Berufe zu gehen, unternehmerisch tätig zu sein und Höfe zu übernehmen – dafür brauchen sie eine Perspektive.

Insbesondere mit Blick auf die schwierige Lage im Weinbau sehen die Delegierten das Weinbauland Nummer eins in der Pflicht. Zwar wurden gemeinsam mit den Weinbauverbänden viele Dinge auf den Weg gebracht, um die Winzer im Land zu unterstützen, aber die Maßnahmen reichen nicht aus. Alle Optionen die sich im Weinsektor auf Bundes- und europäischer Ebene für das Land ergeben, müssen gemeinsam mit der Branche geprüft und bei Bedarf kurzfristig und unbürokratisch umgesetzt werden, damit der Weinbau eine erfolgreiche Zukunft hat. Bei der Viehhaltung im Land geht es bereits um die Existenz. Sowohl Produktion als auch Verarbeitung sind kleinstrukturiert, was zu vergleichsweisen hohen Kosten führt. Wird hier nicht gegengesteuert, verlagert sich Viehhaltung weiter in die viehintensiven Gebiete oder ins Ausland. Damit wäre auch der unmittelbar verbundene Grünlanderhalt bedroht.

Grundvoraussetzung für notwendige Erträge und Qualitäten in der gesamten Landwirtschaft ist eine ausreichende Wasserversorgung, die durch den Klimawandel gefährdet ist.

Um eine effiziente Wassernutzung zu erreichen, braucht es Förderung von Beregnungstechnik und -infrastruktur, Rückhalte- und Speichermöglichkeiten.  Mit Blick auf Natur- und Umweltschutz sprechen sich die Landwirte und Winzer für Kooperation statt Verbote aus. Starres Ordnungsrecht und Verbotskultur bremsen freiwilliges Engagement in diesem Bereich aus.

Damit die Anliegen des Berufsstandes auch schnell umgesetzt werden können, braucht es aus aber eine leistungsstarke Agrarverwaltung. Überschneidende Zuständigkeiten und Kompetenzen führen nicht nur zu Verzögerungen, sondern auch zu Mehraufwand bei der Unternehmensführung in den Betrieben. Zur Steigerung der Effizienz und zur Verbesserung der Servicequalität ist deshalb eine Reform der Agrarverwaltung mit dem Ziel einer deutlichen Verschlankung notwendig.

=> Resolution BWV-Delegiertentagung 2025

Erfolgreicher Macher für den Weinbau und Rheinhessen Höchste Auszeichnung des Bauern- und Winzerverbandes für Ökonomierat Ingo Steitz

Herausragendes Engagement für den Weinbau, den landwirtschaftlichen Berufsstand und seine Heimat Rheinhessen: Ökonomierat Ingo Steitz aus Badenheim setzt sich seit mehr als vier Jahrzehnten erfolgreich für die Winzer und Landwirte in der Region und weit darüber hinaus ein. Bei der Delegiertentagung des Bauern- und Winzerverbandes Rheinland-Pfalz Süd e.V. (BWV) am 29. Oktober 2025 wurde er dafür mit der höchsten Auszeichnung des Verbandes, der Goldenen Ehrennadel, geehrt.

In zahlreichen Ämtern und Funktionen hat der 67-jährige maßgeblich zur positiven Entwicklung des Gebietes Rheinhessen, insbesondere des Weinbaus beigetragen. BWV-Präsident Ökonomierat Eberhard Hartelt unterstrich in seiner Laudatio die Eigenschaft Steitz‘ als Macher, der mit Tatendrang, Glauben an das Potential des „Landes der 1.000 Hügel“ und Gestaltungswillen viel erreicht hat.

Nach seiner Zeit als Vorsitzender der Landjugend auf regionaler und Bundesebene wurde Steitz 1990 zum Vizepräsidenten des damaligen Bauernverbandes Rheinhessen gewählt und übernahm 1992 nach der Fusion zum Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd e.V., das Amt des 1. Vizepräsidenten bis ins Jahr 2022. Ab dem Jahr 2003 engagierte sich der Weinbautechniker und Weingutsinhaber verstärkt im Weinbau. 20 Jahre lang war er Präsident des Weinbauverbandes Rheinhessen und fast ebenso lang Vizepräsident des Deutschen Weinbauverbandes. Bis 2025 war er Mitglied des Vorstandes des Rheinhessenwein e.V. und des Rheinhessen Marketing e.V. Den Vorsitz der Schutzgemeinschaft Rheinhessen und des Verwaltungsrates der Wiederaufbaukasse Rheinland-Pfalz hat er bis heute inne.

Steitz erkannte früh die Notwendigkeit einer qualitätsorientierten Weiterentwicklung des Weinbaus und setzte diese Strategie in seinen Ämtern konsequent um. Auf diesem Weg gelang es, dass Rheinhessen in die Spitze der deutschen Weinanbaugebiete vorrückte und heute eine der innovativsten und dynamischsten Regionen ist. Sein zweiter Fokus liegt auf der Arbeit in der landwirtschaftlichen Sozialversicherung. Von 1993 bis 2012 war er alternierender Vorsitzender bzw. Vorstandvorsitzender der damals eigenständigen regionalen landwirtschaftlichen Sozialversicherung. Mit Bildung des Bundesträgers SVLFG im Jahr 2013 wurde er zunächst Vorsitzender des Finanzausschusses und gehört seit 2017 dem Vorstand an.

Darüber hinaus war Steitz bis zum vergangenen Jahr Mitglied des Vorstandes und der Vollversammlung der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz und Vorstandsmitglied des Verbandes der Teilnehmergemeinschaften Rheinland-Pfalz.

Bei der Landesvereinigung für ländliche Erwachsenenbildung Rheinland-Pfalz ist er seit fast 30 Jahren Vorsitzender.

Steitz wurde 2014 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet und 2024 zum Ökonomierat ernannt. BWV-Präsident Hartelt betonte, dass solche Persönlichkeiten nicht nur für eine erfolgreiche Interessenvertretung von großem Wert sind, sondern ihr Engagement zu einer funktionierenden demokratischen Gesellschaft beiträgt. Steitz habe sich dabei in besonderer Weise verdient gemacht.

 

„Völlig unangemessen“ GLFA weist IG BAU-Forderung nach 15 Prozent mehr Lohn zurück

(GLFA) Zur Forderung der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, den Lohn für Beschäftigte in der Landwirtschaft um 15 Prozent zu erhöhen, erklärt der Präsident des Gesamtverbandes der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände e.V. (GLFA) Hans-Benno Wichert:

„Die Forderung nach einer Entgelterhöhung um 15 Prozent ist in der aktuellen Lage völlig unangemessen und übersteigt die wirtschaftlichen Möglichkeiten unserer Betriebe. Die am 31. Oktober 2025 beginnende Tarifrunde fällt in eine Zeit, in der die Märkte für landwirtschaftliche Erzeugnisse einbrechen, sei es im Getreide- oder Schweinesektor oder sich abzeichnend auch im Milchsektor. Obst-, Gemüse- und Weinbaubetriebe kämpfen angesichts des steigenden Mindestlohns und des massiven Wettbewerbsdrucks durch im Ausland zu weit günstigeren Löhnen produzierter Erzeugnisse vielfach um ihre Existenz. Mit ihrer überzogenen Forderung gefährdet die Gewerkschaft landwirtschaftliche Produktion in Deutschland und damit die Arbeitsplätze der in der Landwirtschaft beschäftigten Arbeitnehmer.

Die Tarifabschlüsse der letzten Jahre haben den steigenden Verbraucherkosten bereits durch überdurchschnittliche Lohnerhöhungen Rechnung getragen und viele Betriebe an die Grenzen der Belastbarkeit geführt. Die aktuelle Inflation von 2,4 Prozent rechtfertigt die Forderung nach einem Lohnplus von 15 Prozent in keiner Weise.

Ein Tarifabschluss muss den tatsächlichen Rahmenbedingungen der Betriebe angemessen Rechnung tragen. Deshalb appellieren wir an die Gewerkschaft, bei den Verhandlungen einen sachlichen und realistischen Kurs einzuschlagen, der die finanziellen Möglichkeiten der landwirtschaftlichen Unternehmen berücksichtigt. Um diesen die nötige Planungssicherheit zu geben, ist eine Laufzeit von 24 Monaten anzustreben.“

Der Gesamtverband der deutschen Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände e.V. (GLFA) ist die Vereinigung aller Land- und Forstwirtschaftlichen Arbeitgeberverbände in der Bundesrepublik Deutschland und repräsentiert seine 20 Mitgliedsverbände. Die Aufgabe des Gesamtverbandes ist die Förderung der gemeinschaftlichen tarif-, arbeits- und sozialpolitischen Belange seiner Mitglieder.